Humanismus 4.0 – denn es geht um unsere Menschlichkeit! – Melanie Vogel

„Was unterscheidet den Menschen von der Maschine?“ In der heutigen Zeit gibt es wohl kaum eine existenziellere Frage als diese. Wo bleibt der Mensch in einer technologisierten Welt? Anzeichen dafür, dass wir uns dieser Frage endlich widmen und versuchen müssen, Antworten zu finden, gibt es seit Jahren.

Wie kann ein ethischer Wertekodex in der „Arbeitswelt 4.0“ und im Zeitalter von „Industrie 4.0“  humaner gestaltet werden? Diese Frage beschäftigt mich sehr, denn der Humanismus hat in Europa, der Wiege der Renaissance, eine ganz besondere Bedeutung erlangt. Von dort ausgehend, kristallisieren sich drei humanistische Strömungen heraus, die uns zum Humanismus 4.0 führen:

  • Humanismus 1.0 „uomo universalis“: In der Epoche der Renaissance stand der Mensch als schöpferisches Individuum im Mittelpunkt des Weltbildes. Dieser „Universalmensch“ wurde zum Idealbild menschlicher Schaffenskraft.
  • Humanismus 2.0 „animal rationale“: Im Zeitalter der Aufklärung wurde Wissen Macht. Das Idealbild des vernunftgesteuerten Menschen setzte sich durch.
  • Humanismus 3.0 „Homo oeconomicus“: Der nutzenorientierte Mensch beherrscht seit der Industrialisierung die Wirtschaftswelt.

Doch einen essenziellen Teil des Menschseins haben wir in all den Jahrhunderten völlig ausgeklammert: unsere angeborene Fähigkeit zur Kooperation. Kooperation ist das Bemühen von Menschen, gelingende Beziehungen aufzubauen und zu gestalten, die das gesellschaftliche Zusammenleben und -wirken positiv beeinflussen. Zahlreiche Forschungsstudien beweisen seit Jahrzenten: Das grundlegende Naturgesetz der Menschen beruht auf Kooperation, nicht auf Wettkampf.

Kooperative Menschen sind in der Lage, Wissens- und Lerngesellschaften zu gründen, denn sie verstehen, dass sich nur geteiltes Wissen vermehrt. In einem kooperativen Umfeld empfinden Menschen Spaß und Sinn an ihrer Arbeit, weil sie als Gemeinschaft am Erfolg des Unternehmens oder am Erfolg der Zukunft arbeiten. Kooperation kann nicht digitalisiert werden. Daher ist das visionäre Menschenbild des 21. Jahrhunderts der „Homo cooperativus“. Er definiert den Humanismus 4.0.

Dass wir eine neue Form des Humanismus brauchen, steht für mich außer Frage. Digitalisierung, Klima- und demografischer Wandel aber auch die zunehmend ungleiche Verteilung von Reichtum sorgen dafür, dass wir neue Wege des Zusammenlebens finden müssen, wenn wir nachhaltig die Zukunft gestalten wollen.

Denn: Es geht um unsere Menschlichkeit und um die Zukunft der Menschheit. Dazu habe ich auch einen Aufruf auf Change.org gestartet. Bitte unterschreiben sie ihn! https://www.change.org/p/melanie-vogel-es-geht-um-unsere-menschlichkeit

Doch um die Frage der Menschlichkeit im Zeitalter der Digitalisierung geht es auch auf der women&work am 4. Mai 2019 im FORUM der Messe Frankfurt. Als Gast haben wir dazu unter anderem Prof. Dr. Gerald Hüther eingeladen, der gemeinsam mit mir über das Thema „Humanismus 4.0“ diskutieren wird. Eine Bewerbung für Backstage-Pässe ist ab sofort bis zum 30. April unter http://backstage.womenandwork.de möglich. Darüber hinaus wird das Thema in vielen der über 50 Vorträgen aufgegriffen. Es wird also spannend.

Über Melanie Vogel
Melanie Vogel, dreifache Innovationspreisträgerin, mehrfache Buchautorin, Innovation-Coach und Lehrbeauftragte an der Universität zu Köln, ist seit 1998 erfolgreiche Unternehmerin. Das von ihr entwickelte und preisgekrönte “Futability®-Konzept” ist ihre Antwort auf die VUCA-Welt – eine Welt dauerhafter und radikaler Veränderungen. Seit 2011 veranstaltet sie die women&work – Europas Leitmesse für Frauen & Karriere, die jährlich in Frankfurt am Main stattfindet. www.melanie-vogel.com